Abendkonzert als Abschluss des Sommerfestes

Abendkonzert als Abschluss des Sommerfestes

Am Sonntagnachmittag lud der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Ottensoos FESO zum Sommerfest ein. Bei Sonnenschein führte Hr. Krüger die Besucher mit Gitarre und Gesang auf eine musikalische Reise durch Welt und Zeit. Mit ruhigen Geigen- und Flötenklängen lud Frau Wassmann in der Synagoge zum Entspannen ein, Führungen mit Erläuterungen zur Geschichte der Ehemaligen Synagoge rundeten das Programm ab. Doch nicht nur für ein interessantes und abwechslungsreiches Programm war gesorgt, sondern auch für ein geselliges Zusammensein auf dem malerischen Vorplatz der ehemaligen Synagoge bei Kaffee und Kuchen, Bier und Wein.

Marimbaphon, welch ein köstliches Instrument ! Dazu ein mit diesem großen Klangkörper emotional eng verbundener Spieler :

„Ich bin Alex Jacobowitz und meine Frau ist die Marimba“ Eine spontane Sympathie zur renovierten  Synagoge (bei einer Ortsbegehung) brachte den Wahl-Berliner nach Ottensoos. 1960 in New York geboren begann er mit 11 Jahren Schlagzeug zu lernen und studierte später dieses Fach. Nach 1 jähriger Spielzeit im „Jerusalem-Orchester“ („ in einer dunklen Ecke“) beschloß er, Solist auf dem Marimbaphon zu werden und ist seit 1983 weltweit unterwegs, vorwiegend als Straßenmusiker, um näher und direkter an die Menschen zu kommen.

Beim  ausverkauften Konzert in Ottensoos spielte Jacobowitz im 1. Teil eine Doina aus Rumänien und Stücke aus Afrika und dem Spanien des 18. Jahrhunderts. Höhepunkt waren wohl die beiden Kompositionen von J.S. Bach: Die chromatische Fantasie und ein Satz aus der Suite Nummer 3. Die Vielstimmigkeit bewältigte der Meister mit 4 Schlägeln gleichzeitig, natürlich auswendig. Eine ungeheure Leistung, 10 Finger durch 4 Schlägel zu ersetzen! Zwischen den Stücken immer wieder Erklärungen, z.B. über Eigenarten des Instruments, oder Berichte über den eigenen Werdegang.

Nach der Pause begann Jacobowitz mit einer Parabel über das Fest Jom Kippur, die er aus seinen Reiseberichten vorlas. Anschließend widmete er sich der Klezmermusik, der Hochzeits-und Festmusik der Ostjuden. Er sprach über die große Bedeutung einer jüdischen Hochzeit, über den großen Aufwand – eine Woche! – über „hunderte von Melodien“, die die Musiker dabei auswendig spielen Er erklärte die speziellen Tonarten dieser Musik und spielte selbst eine Reihe von Weisen aus dieser Tradition, zuletzt ein Lied, das die Brauteltern nach Hause begleiten sollte.

Das alte afrikanische Instrument,  mit den Sklaven nach Amerika gekommen und erst im 20. Jahrhundert für die westliche Musik umgebaut (mit einer Stimmung wie auf dem Klavier) verbreitete seinen Zauber auch auf uns heute.

Das Publikum war fasziniert  vom klingenden Holz und dem hoch konzentrierten, charismatischen Spieler, und dankte mit langem Beifall.

Brigitte Nodnagel   

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