Gedenkveranstaltung Reichspogrom

Gedenkveranstaltung Reichspogrom

09.11.2019 um 18:00 Uhr

Stele vor der ehemaligen Synagoge erinnert an die jüdischen Familien von Ottensoos

Ottensoos – Zahlreiche Besucher konnte Bürgermeister Klaus Falk bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht begrüßen und zeigte sich erfreut, dass er die Gedenkstele zur Erinnerung an die jüdischen Familien der Öffentlichkeit vorstellen konnte.

Damit werde ein wichtiges Projekt nach dreijähriger Vorbereitungsphase realisiert und man setze zwei wichtige Ziele um: Zum einen wollte  man eine Informations- und Gedenk-Stele errichten, die der Öffentlichkeit allgemein zugänglich ist, andererseits wollte man auch das Interesse für die jüdischen Mitmenschen, ihr Leben und ihr Schicksal wecken.“ Trotz eines langen und guten Miteinanders von Juden und Christen in Ottensoos änderten sich mit der Machtergreifung der Nazis 1933 die Zeiten. In der Reichspogromnacht wurden die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus ihren Wohnungen geholt und am Dorfbrunnen zusammengetrieben, die Einrichtung der Synagoge wurde demoliert und geschändet. Die Vertreibung und Deportation ging weiter, bis das Dorf im Sommer 1939 im NS-Jargon als „judenfrei“ galt. Auf der Stele sind die Namen der deportierten und der ermordeten Juden von Ottensoos sowie Informationen zum Gebäude und zur Geschichte hinterlegt.

„Mit dem Publizisten Gerd Berghofer habe man aufgegriffen und fortgesetzt, was der Ottensooser Historiker Martin Schieber in seinem Buch „Ottensoos – Ein Streifzug durch 11 Jahrhunderte Geschichte“ im Jahr 2003 begonnen habe, nämlich die Erkundung und Aufarbeitung der jüdischen Geschichte. Der ursprüngliche Sinn einer Synagoge, so Falk in seiner Einführung, sei ein Versammlungshaus („bet knesset“) gewesen, in welchem die Juden sich nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Besprechungen der Israelitischen Kultusgemeinde versammelten. Da sei es doch angebracht, Informationen über diese Menschen in die Synagoge zu bringen und sie so auf abstrakte Weise wieder zu versammeln. Mit insgesamt 11 Tafeln wurde eine Ausstellung geschaffen, die interessierten Besuchern zum einen die jüdischen Familien von Ottensoos zeigen. Darüber hinaus runden Informationen zu jüdischem Leben allgemein, jüdischen Speisegesetzen, Hopfenhandel sowie zur Rolle der Frau im Judentum die Ausstellung ab.

Solidarität gegen Ausgrenzung - Gewalt und Bildung gegen Polemik und Hetze

Bürgermeister Falk dankte dem Bildungsfonds Nürnberger Land, der mit der Sparkasse großzügig und unbürokratisch das Projekt finanziell unterstützt habe. Die aktuellen Entwicklungen wie der Terrorakt in Halle zeigen, dass wir diese Angebote in der heutigen Zeit dringend benötigen, es gehe jetzt um Solidarität gegen Ausgrenzung und Gewalt und langfristig um Bildung gegen Polemik und Hetze.

Landrat Kroder strich in seinem Grußwort das große Engagement der Gemeinde zur jüdischen Geschichte heraus. Ottensoos übernehme eine ausgesprochen wichtige Aufgabe und er könne sich mehr Kooperation mit dem Jüdischen Museum Franken für weitere Veranstaltungen vorstellen.

In einer Andacht, die Pfarrer Albrecht Kessel und der katholische Gemeindereferent Hans-Josef Aschemann leiteten, wurde der jüdischen Gemeinde und ihrer Opfer gedacht, die mit Gewalt veschleppt und getötet wurden. Die fünf Bücher Mose, die Propheten und die weiteren Schriften wie Psalmen und Sprüche bilden den ersten Teil der Bibel und sind auch dem Judentum heilig.  Die Psalmgebete drücken oft eindringlich aus, wie es Menschen ergeht. Klagen kommen zu Wort, aber auch Hoffnungen werden ausgedrückt und so richtete sich das Gedenken mit Psalmen in ökumenischer Verbundenheit  an die christliche Gemeinde  vor Ort.                                                                                                         

Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung hervorragend durch Maike Schüttrich und ihre Schülerinnen Annie Urbaniak und Amelie Becker von der Musikschule Lauf begleitet, die mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und dem Stück Schön Rosmarin von Fritz Kreisler den Abend gefühlvoll umrahmten.

Stele vor der ehemaligen Synagoge erinnert an die jüdischen Familien von Ottensoos

Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung hervorragend durch Maike Schüttrich und ihre Schülerinnen Annie Urbaniak und Amelie Becker von der Musikschule Lauf begleitet, die mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und dem Stück Schön Rosmarin von Fritz Kreisler den Abend gefühlvoll umrahmten

Landrat Armin Kroder

Bürgermeister Klaus Falk

Pfarrer Albrecht Kessel und der katholische Gemeindereferent Hans-Josef Aschemann verlesen mit Tanja Riedel die Namen der letzten jüdischen Mitbürger in Ottensoos

Pfarrer Albrecht Kessel und der katholische Gemeindereferent Hans-Josef Aschemann halten eine gemeinsame Andacht

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