"Jüdisches Jahr: #beziehungsweise – näher als du denkst - Den EINEN Gott feiern" mit Pfarrerin Christiane Lutz

"Jüdisches Jahr: #beziehungsweise – näher als du denkst - Den EINEN Gott feiern" mit Pfarrerin Christiane Lutz

Näher als du denkst: den EINEN Gott feiern. Ein Abend für Kopf und Herz zum Jüdischen Jahr

 

Text: Lydia Kossatz

 

 

In der auf Abstand voll besetzten Synagoge in Ottensoos begrüßte Jürgen Lassauer vom Freundeskreis der Ehemaligen Synagoge Ottensoos e.V. die Anwesenden.

Pfarrerin Dr. Lydia Kossatz, Geschäftsführerin des Evang. Bildungswerk NAH für die Region Hersbruck, zeigte sich erfreut, dass die Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe zum Jüdischen Jahr gerade an so einem geschichtsträchtigen Ort stattfinden durfte.

 

An dem Abend des 26. Juli nahm Pfarrerin Christiane Lutz, Dekanatsbeauftragte für jüdisch-christlichen Dialog im Dekanat Hersbruck, die Zuhörer und Zuhörerinnen mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch das jüdische und christliche Jahr.

Was ist der Unterschied, an den „EINEN“ oder den „einen“ Gott zu glauben? Denn jüdisches und christliches Verständnis von der Beziehung des Menschen zu Gott sind durchaus unterschiedlich. Im Judentum antwortet der Mensch Gott in seinem Handeln und Tun, im Christentum durch seinen Glauben. Ein Unterschied, der in der Darstellung des Judentums z.B. durch Martin Luther zu missverständlichen Verkürzungen und Verzerrungen führte.

Viele Gemeinsamkeiten zeigte die Referentin im Festkreis des jüdischen und christlichen Jahres auf: Diese reichten vom Beginn des Jahres inmitten des Kalenderjahres (Rosch Haschana im September; 1. Advent) über die Erntefeste (Laubhüttenfest Mitte September; christl. Erntedank Anfang Oktober) bis hin zu Pessach und Karfreitag bzw. Ostern - im Jahr 2022 fällt der Beginn des Pessachfestes sogar mit Karfreitag zusammen.

Das Einspielen von Fotos und Musik aus dem zeitgenössischen Judentum, ein Tisch voller jüdisches Kultgegenstände zum Ansehen machten den Gang durch die wichtigsten jüdischen Feste nicht nur informativ, sondern auch spannend und anschaulich.

Dabei machte Christiane Lutz deutlich, dass sich ähnlich dem Christentum auch das Judentum über die Jahrhunderte weiterentwickelt habe. In welcher konkreten Gestalt zurzeit Jesu, im pharisäischen Judentum, tatsächlich die Feste gefeiert wurde, kann heute nur vermutet werden und sei nur bedingt mit dem heutigen rabbinischen Judentum gleichzustellen.

Und nicht zuletzt seien in der Zeit der Corona-Pandemie in jüdischen Gemeinden ganz ähnliche Wege wie in christlichen gefunden worden: Pessach aus der Tüte oder Pessach-Gemeinschaft via zoom.

 

Wunderbar durchzogen wurde der Vortrag durch Musik von Frau Waßmann. Gesang und Geige, die Töne der Altflöte, die sich ins Gewölbe der Synagoge erhoben, berührten das Herz.

Ein gelungenes Zusammenspiel, das an einem besonderen Ort die Expertise der Referentin und die Leidenschaft der Musikerin atmete. Ein Abend, für Kopf und Herz gleichermaßen.

 

Im Rahmen des Jüdischen Jahres ist im Herbst eine Fahrt in die Synagoge nach Amberg geplant, in der die älteste Torarolle Süddeutschlands beheimatet ist. Am 9. November um 19.30 Uhr ist Pfarrerin Christiane Lutz erneut in der Synagoge Ottensoos zu Gast zum Thema: Antijudaismus in der Kirche. Ein schwieriges Erbe.

Foto: Jürgen Lassauer (von links nach rechts: Frau Waßmann, Frau Kossatz, Frau Lutz)

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